WISSENSZENTRUM · JTL
Von JTL-Wawi über JTL-Shop bis WMS — dieser Leitfaden erklärt alle Produkte, Stärken und Einsatzszenarien der JTL-Plattform. Für E-Commerce-Unternehmer, die eine fundierte Entscheidung treffen wollen.
JTL-Software ist ein deutsches Softwareunternehmen mit Sitz in Jena, das seit 2008 eine der führenden E-Commerce- und Warenwirtschaftsplattformen im deutschsprachigen Raum entwickelt. Der Name steht für ein durchgängiges Ökosystem, das Warenwirtschaft, Onlineshop, Lagerverwaltung und Marktplatzanbindung in einer eng verzahnten Produktfamilie vereint.
Was JTL von vielen anderen Systemen unterscheidet: Alle Produkte stammen aus einer Hand und sind nativ miteinander integriert. Es gibt keine Medienbrüche zwischen Warenwirtschaft, Shop und Lager — Daten fließen in Echtzeit zwischen den Komponenten. Das macht JTL besonders attraktiv für Händler, die Multi-Channel-Commerce betreiben und ihre Prozesse aus einem Guss steuern wollen.
Gut zu wissen: JTL-Wawi, das Kernprodukt, ist in der Basisversion kostenlos — inklusive unbegrenzter Artikelanzahl und ohne Transaktionsgebühren. Das ist im ERP-Markt nahezu einzigartig und macht JTL besonders für Gründer und wachsende Unternehmen interessant. Kostenpflichtig werden erst Zusatzmodule wie WMS, der JTL-Shop und bestimmte Schnittstellen.
Die JTL-Produktfamilie besteht aus mehreren Bausteinen, die einzeln oder gemeinsam eingesetzt werden können. Im Zentrum steht die JTL-Wawi als Datendrehscheibe, um die herum sich Shop, Lager, Marktplätze und weitere Module gruppieren. Dieses modulare Prinzip erlaubt es, klein zu starten und das System mit dem Unternehmenswachstum schrittweise auszubauen.
| Produkt | Funktion | Kosten |
|---|---|---|
| JTL-Wawi | Warenwirtschaft / ERP (Kern) | Kostenlos (Basisversion) |
| JTL-Shop | Eigener Onlineshop (B2C/B2B) | Ab ca. 100 €/Monat |
| JTL-WMS | Lagerverwaltung / Warehouse Management | Kostenpflichtige Lizenz |
| JTL-eazyAuction | eBay- & Amazon-Anbindung | In Wawi enthalten |
| JTL-SCX | Multi-Marktplatz-Connector | Kostenpflichtig pro Kanal |
| JTL-Plan&Produce | Produktions- & Fertigungsplanung | Kostenpflichtige Erweiterung |
JTL-Wawi (Warenwirtschaft) ist das zentrale Element der JTL-Plattform. Es handelt sich um eine Windows-basierte Desktopanwendung, die auf einer Microsoft SQL Server-Datenbank (MSSQL) aufsetzt. Von hier aus werden Artikel, Kunden, Aufträge, Einkauf, Lager und alle weiteren Geschäftsprozesse gesteuert.
Artikelverwaltung: Umfangreiche Artikelstammdaten mit Varianten (Farbe, Größe etc.), Stücklisten, Bundles, Merkmalen, Funktionsattributen und mehrsprachigen Beschreibungen. Besonders stark: die Variantenkombinationen, die beliebig tief verschachtelt werden können.
Auftragsverwaltung: Vom Angebot über den Auftrag bis zur Rechnung — der komplette Order-to-Cash-Prozess wird abgebildet. Automatische Workflows (z. B. Versandmail nach Tracking-Upload, Zahlungsabgleich) reduzieren manuelle Eingriffe erheblich.
Multi-Channel-Fähigkeit: JTL-Wawi ist von Grund auf für den Mehrkanalvertrieb konzipiert. Eigener Shop, Amazon, eBay, Kaufland, Otto — alle Kanäle werden zentral aus der Wawi bedient. Bestände synchronisieren sich automatisch über alle Verkaufskanäle hinweg.
Einkauf & Lieferanten: Bestellvorschläge basierend auf Mindestbeständen und Verkaufshistorie, Lieferantenzuordnung pro Artikel, Eingangsrechnungen und Wareneingangsbuchungen.
Buchhaltungsvorbereitung: JTL-Wawi ist kein vollständiges FiBu-System, bereitet aber alle Daten GoBD-konform für den Export an DATEV, Lexware oder andere Buchhaltungslösungen auf. Die DATEV-Schnittstelle gehört zu den am häufigsten genutzten Features.
Technischer Hinweis: JTL-Wawi ist eine Windows-Desktopanwendung und benötigt zwingend einen Microsoft SQL Server als Datenbank. Für Einzelplatzbetrieb reicht der kostenlose SQL Server Express. Ab mehreren Arbeitsplätzen oder größeren Datenmengen (> 10 GB) empfiehlt sich eine Standard- oder Enterprise-Edition — idealerweise auf einem dedizierten Server oder via Cloud-Hosting (RDP/Terminalserver).
JTL-Wawi ist besonders stark im E-Commerce-Handel und richtet sich primär an Online-Händler, Multi-Channel-Seller und Versandhändler im deutschsprachigen Raum. Die Stärke liegt in der tiefen Verzahnung mit Marktplätzen und der kostenlosen Basisversion. Weniger geeignet ist JTL-Wawi für rein produzierende Unternehmen ohne Handelskomponente oder für international aufgestellte Konzerne mit komplexen Konsolidierungsanforderungen.
JTL-Shop ist die hauseigene Shopsoftware der JTL-Produktfamilie. Die aktuelle Version (JTL-Shop 5) basiert auf PHP, nutzt ein responsives Template-System und ist vollständig in die JTL-Wawi integriert. Das bedeutet: Artikel, Bestände, Preise, Kundendaten und Aufträge synchronisieren sich automatisch zwischen Shop und Warenwirtschaft.
Nahtlose Wawi-Integration: Kein anderes Shopsystem ist so tief mit der JTL-Wawi verzahnt. Artikelpflege, Bestandsführung und Auftragsbearbeitung passieren zentral in der Wawi — der Shop spiegelt diese Daten in Echtzeit wider.
SEO-Funktionen: Sprechende URLs, Meta-Tags, strukturierte Daten (Schema.org), XML-Sitemaps und ein integriertes Bewertungssystem sind im Standard enthalten.
Plugin-Ökosystem: Über den JTL-Extension-Store können Plugins für zusätzliche Funktionen installiert werden — von Payment-Anbietern über Marketing-Tools bis hin zu individuellen Anpassungen.
B2B-Funktionen: Kundengruppen-spezifische Preise, Staffelpreise, Netto-Ansicht und Zugangsbeschränkungen machen den JTL-Shop auch für den B2B-Handel interessant.
Natürlich muss der JTL-Shop nicht die einzige Option sein. Viele JTL-Wawi-Nutzer setzen auch auf Shopware oder WooCommerce als Frontend — die Anbindung an die Wawi erfolgt dann über Connectoren. Der JTL-Shop punktet durch die engste Integration, während Shopware bei Design-Flexibilität und Enterprise-Funktionen Vorteile hat. WooCommerce ist eine Option für WordPress-affine Teams mit kleineren Sortimenten.
Entscheidungshilfe: Wer bereits JTL-Wawi nutzt und den geringsten Integrationsaufwand sucht, fährt mit dem JTL-Shop am besten. Wer jedoch ein hochindividuelles Shopdesign, ein großes Plugin-Ökosystem oder internationale Multi-Store-Funktionen benötigt, sollte Shopware als Alternative prüfen.
JTL-WMS (Warehouse Management System) erweitert die Lagerfunktionen der Wawi um ein professionelles Lagerverwaltungssystem mit Echtzeit-Bestandsführung, optimierten Pickprozessen und mobiler Datenerfassung per MDE-Gerät oder Barcode-Scanner.
Die Basis-Lagerverwaltung in der JTL-Wawi reicht für kleinere Lager völlig aus. Sobald jedoch eines oder mehrere der folgenden Kriterien zutreffen, lohnt sich der Umstieg auf WMS:
Sie versenden mehr als 50–100 Pakete pro Tag und benötigen effizientere Pickprozesse. Ihr Lager hat mehrere Zonen oder Ebenen, die verwaltet werden müssen. Sie arbeiten mit Barcode-Scannern oder MDE-Geräten. Chargen- oder Seriennummernverfolgung ist erforderlich. Multi-Order-Picking (mehrere Aufträge gleichzeitig kommissionieren) soll die Effizienz steigern.
Chaotische Lagerhaltung: Artikel werden dort eingelagert, wo gerade Platz ist. Das System weiß trotzdem jederzeit, wo sich jeder Artikel befindet — die Wegoptimierung beim Picken übernimmt WMS automatisch.
Pickstrategien: Standard-Picking (ein Auftrag nach dem anderen), Multi-Order-Picking (mehrere Aufträge auf einer Runde), Batch-Picking und Rollende Kommissionierung. Die optimale Strategie hängt von Sortimentsstruktur und Versandvolumen ab.
Packstation-Integration: Am Packtisch werden Aufträge gescannt, Versandlabel erzeugt und Lieferscheine gedruckt — alles in einem durchgängigen Workflow. Die Anbindung an DHL, DPD, GLS, Hermes und weitere Versanddienstleister ist standardmäßig verfügbar.
Inventur: Permanente Inventur (rollierend) oder Stichtagsinventur — JTL-WMS unterstützt beide Verfahren und erzeugt inventurrelevante Belege automatisch.
Multi-Channel ist eine der größten Stärken von JTL. Zwei Werkzeuge stehen für die Marktplatzanbindung zur Verfügung:
Die in der Wawi integrierte Lösung für Amazon und eBay. Artikel werden direkt aus der Wawi auf die Marktplätze übertragen, Bestände synchronisiert und eingehende Bestellungen automatisch als Aufträge in die Wawi übernommen. Für viele Händler, die primär über Amazon und eBay verkaufen, ist eazyAuction ausreichend und der einfachste Einstieg in den Multi-Channel-Vertrieb.
Der modernere, API-basierte Connector für eine breitere Marktplatzabdeckung. SCX verbindet die JTL-Wawi mit Plattformen wie Kaufland.de, Otto Market, ABOUT YOU, Cdiscount, Decathlon und weiteren. Die Architektur ist cloud-basiert und wird von JTL kontinuierlich um neue Kanäle erweitert.
| Kriterium | eazyAuction | SCX |
|---|---|---|
| Marktplätze | Amazon, eBay | Kaufland, Otto, ABOUT YOU u.v.m. |
| Integration | Direkt in der Wawi | Cloud-basiert via API |
| Kosten | In Wawi enthalten | Zusätzliche Gebühren pro Kanal |
| Empfohlen für | Amazon/eBay-Seller | Multi-Marktplatz-Strategie |
Ein Zusatzmodul für produzierende Unternehmen und Manufakturen, die ihre Fertigung direkt in der JTL-Wawi planen wollen. Plan&Produce ermöglicht Stücklisten-basierte Produktion, Arbeitsaufträge, Materialbedarfsplanung und die Verfolgung von Fertigungsfortschritten. Ideal für Händler, die nicht nur verkaufen, sondern auch selbst herstellen — z. B. Lebensmittelproduzenten, Kosmetikhersteller oder Möbelmanufakturen.
Eine Plattform, die JTL-Händler mit externen Fulfillment-Dienstleistern verbindet. Wer Lagerung und Versand auslagern möchte, kann über das Fulfillment Network einen passenden Partner finden — die Auftragsübermittlung und Bestandssynchronisation laufen automatisch über die JTL-Wawi.
Wer einen anderen Onlineshop als den JTL-Shop nutzen möchte (z. B. Shopware, WooCommerce, Shopify), benötigt einen Connector. Dieser stellt die bidirektionale Synchronisation zwischen JTL-Wawi und dem externen Shopsystem sicher. Für Shopware und WooCommerce existieren offizielle Connectoren; für weitere Systeme gibt es Drittanbieter-Lösungen.
Der zentrale Marktplatz für Erweiterungen, Plugins und Templates — sowohl für JTL-Wawi als auch für JTL-Shop. Hier finden sich Versand-Plugins, Payment-Provider, Import/Export-Tools, Design-Templates und vieles mehr. Die meisten Erweiterungen werden von zertifizierten JTL-Servicepartnern und Drittanbietern entwickelt.
JTL-Wawi stellt spezifische Anforderungen an die IT-Infrastruktur, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten:
JTL-Wawi benötigt zwingend einen Microsoft SQL Server (MSSQL). Für den Einstieg reicht die kostenlose Express-Edition (begrenzt auf 10 GB Datenbank). Ab ca. 50.000 Artikeln oder hohem Bestellvolumen wird eine Standard-Edition empfohlen. Die Datenbankperformance ist der entscheidende Faktor für die Geschwindigkeit der Wawi — ein gut konfigurierter MSSQL-Server mit SSDs und ausreichend RAM macht den größten Unterschied.
Lokal (On-Premise): Die Wawi und der SQL Server laufen auf einem eigenen Server im Büro. Volle Kontrolle, aber auch volle Verantwortung für Wartung, Backups und Verfügbarkeit. Empfohlen nur bei vorhandener IT-Kompetenz.
Cloud-Hosting (RDP/Terminalserver): Die Wawi wird auf einem gemieteten Cloud-Server betrieben und per Remote-Desktop-Verbindung genutzt. Vorteil: ortsunabhängiger Zugriff, professionelle Infrastruktur, automatische Backups. Die beliebteste Lösung für Teams mit mehreren Arbeitsplätzen.
Managed JTL-Hosting: Spezialisierte Anbieter übernehmen den kompletten Betrieb — Server-Setup, MSSQL-Konfiguration, Backups, Updates und Monitoring. Die komfortabelste Lösung, die technischen Aufwand minimiert und die beste Performance sicherstellt.
Performance-Tipp: Die häufigste Ursache für eine langsame JTL-Wawi ist eine zu kleine oder schlecht konfigurierte MSSQL-Datenbank. Investieren Sie in einen dedizierten SQL-Server mit NVMe-SSDs und mindestens 16 GB RAM. Der Unterschied zur Shared-Hosting-Lösung ist in der täglichen Arbeit sofort spürbar.
JTL ist stark — aber nicht für jeden der richtige Fit. Eine ehrliche Einordnung gegenüber den häufigsten Alternativen:
Xentral ist cloud-nativ, moderner im UI und schnell eingerichtet. Ideal für D2C-Brands und Start-ups, die eine schlanke Lösung suchen. JTL bietet dafür die tiefere Multi-Channel-Integration, ist kostengünstiger bei der Basis und hat ein größeres Servicepartner-Netzwerk im DACH-Raum. JTL gewinnt bei Händlern mit Amazon/eBay-Fokus; Xentral bei Shopify-lastigen D2C-Marken.
MyFactory ist ein Cloud-ERP mit integrierter Finanzbuchhaltung — etwas, das JTL nicht bietet. Für Unternehmen, die eine vollständige ERP-Lösung mit FiBu, CRM und Produktion in der Cloud benötigen, kann MyFactory die bessere Wahl sein. JTL punktet dafür bei E-Commerce-Funktionalität, Marktplatzanbindung und dem Preis-Leistungs-Verhältnis für Onlinehändler.
SAP und Dynamics sind umfassendere ERP-Systeme mit stärkeren Finanz-, HR- und Produktionsmodulen. Dafür kosten sie ein Vielfaches, die Einführung dauert länger und sie sind für reine E-Commerce-Prozesse weniger spezialisiert. JTL ist die richtige Wahl für den handelsorientierten Mittelstand; SAP/Dynamics für Unternehmen mit komplexen Konzernstrukturen und internationalen Anforderungen.
Fazit: JTL ist die erste Wahl für E-Commerce-Händler im DACH-Raum, die Multi-Channel verkaufen, eine kosteneffiziente Lösung suchen und die Warenwirtschaft zum Kern ihrer Prozesse machen wollen. Wer hingegen eine vollintegrierte ERP-Suite mit FiBu und Produktion benötigt, sollte auch MyFactory, Sage oder Dynamics evaluieren.
Eine JTL-Einführung kann — je nach Ausgangslage — von der Eigeninstallation in wenigen Stunden bis zum mehrmonatigen Migrationsprojekt reichen. Ein typischer Ablauf:
Welche Verkaufskanäle werden bedient? Wie groß ist das Sortiment? Gibt es ein Altsystem mit zu migrierenden Daten? Wird ein Lager mit WMS benötigt? Wie viele Nutzer arbeiten gleichzeitig? Diese Fragen bestimmen den Projektumfang.
MSSQL-Server einrichten (lokal oder Cloud), JTL-Wawi installieren, Mandant konfigurieren, Grundeinstellungen vornehmen (Firma, Steuer, Währung, Nummernkreise). Bei Cloud-Hosting übernimmt der Hoster diesen Schritt.
Artikel, Kunden, Lieferanten und Kategorien werden angelegt — manuell, per Ameise-Import (JTLs eingebautes Import/Export-Tool) oder bei Systemwechseln über professionelle Migrationsskripte. Die Datenqualität entscheidet maßgeblich über den späteren Produktivbetrieb.
Shop-Connector einrichten, eazyAuction für Amazon/eBay konfigurieren, ggf. SCX für weitere Marktplätze aktivieren. Versanddienstleister anbinden (DHL, DPD etc.), Zahlungsanbieter einrichten, E-Mail-Vorlagen anpassen.
Testbestellungen über alle Kanäle durchspielen, Versandworkflow prüfen, Retouren testen, DATEV-Export kontrollieren. Mitarbeitende auf der neuen Oberfläche schulen. Idealerweise einen Parallelbetrieb von 1–2 Wochen einplanen.
Produktivstart zu einem ruhigen Zeitpunkt. In den ersten Wochen eng begleiten, Workflows feinjustieren und automatisieren (z. B. Workflow-Engine für automatische E-Mails, Statusänderungen, Mahnungen). Erfahrungsgemäß dauert es 2–4 Wochen, bis alle Prozesse rund laufen.
Als zertifizierter JTL-Enterprise-Servicepartner begleiten wir Einführung, Migration, Hosting und Optimierung Ihrer JTL-Umgebung. Profitieren Sie von unserer Erfahrung aus über 100 JTL-Projekten.
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